Capvis heißt der zukünftige Eigentümer von Deutschlands größtem Naturmodelabel Hess natur. Der Schweizer Investor Capvis hat sich auf einer Mitarbeiterversammlung am Stammsitz von Hess natur in Butzbach Mitarbeitern, Führungskräften und dem Betriebsrat vorgestellt. Das Schweizer Beteiligungshaus hatte Hess natur am 31. Mai 2012 unter Vorbehalt der kartellrechtlichen Genehmigung von der Primondo Specialty Group erworben.
Wie diese Mitarbeiterversammlung abgelaufen ist, darüber gibt es unterschiedliche Berichte. Die Hess natur- Geschäftsführer Wolf Lüdge und Maximilian Lang schreiben in einer Pressemitteilung: „In der Mitarbeiterversammlung stellte sich das Capvis-Team persönlich vor und bekannte sich dabei klar zur Wahrung der hohen ökologischen und sozialen Standards von Hess natur. Darüber hinaus hat sich Capvis nicht nur zur Strategie von Hess natur und seinem Wachstumskurs bekannt, sondern sich auch klar zu Mitarbeitern, Führungskräften und Geschäftsführung sowie zu allen Standorten ausgesprochen.
Geschäftsführer Wolf Lüdge und Max Lang begrüßen Capvis als zukünftigen Eigentümer. ‘Capvis ist ein seriöser und finanzstarker Investor und geht mit Erfahrung und Fingerspitzengefühl auf die Bedürfnisse von Hess natur ein’, so Max Lang. ‘Unsere Idee, unsere Kunden durch die Einführung eines Kunden-rates in den Dialog einzubinden, wurde von Capvis ausdrücklich begrüßt, um damit die Kontinuität bei den hohen ökologischen und sozialen Standards von Hess natur auch von unabhängiger Seite sicher-zustellen’, so Wolf Lüdge. ‘Ein besonderes Augenmerk liegt für uns auch auf dem Dialog und der Einbeziehung der Mitarbeiter’, betont die Geschäftsführung. ‘Die Gespräche mit Capvis sind gut verlaufen und wir freuen uns auf die zukünftige Zusammenarbeit, um gemeinsam die erfolgreiche Unternehmensgeschichte weiterzuschreiben und die Mitarbeiter daran zu beteiligen.’”
Ganz anders liest sich das in einer Verlautbarung des Instituts für soziale Dreigliederung. Auf dessen Internetseite schreibt Johannes Mosmann, dass „Capvis … erfolglos um (das) Vertrauen der hessnatur-Mitarbeiter“ geworben habe.
Hier heißt es: „Am Mittwoch reiste die Schweizer Private-Equity-Gesellschaft Capvis nun doch noch an, um sich den Mitarbeitern des Ökomodenversenders hessnatur vorzustellen. Vor gut zwei Wochen hatte Capvis das Fair-Trade-Unternehmen erworben, ein erstes Treffen mit der Belegschaft aus Angst vor Protesten jedoch abgesagt. Nachdem aber mittlerweile unzählige Kunden Boykottdrohungen gegenüber hessnatur ausgesprochen, und die Belegschaft die Partner der Gesellschaft in einem öffentlichen Brief um einen Rücktritt von diesem unglücklichen Geschäft gebeten hatte, war eine ‘Glättung der Wogen’ wohl nicht mehr zu erwarten. Capvis musste sich also dem obligatorischen Treffen mit ihrer Acquisition stellen.
Das Problem begann mit dem Mikrofon. Die Mitarbeiter von hessnatur handhaben es bei ihren Treffen für gewöhnlich so, dass der Redende das Mikrofon selbst halten muss. Die Partner der Investmentgesellschaft bestanden jedoch auf einem Ständer, der eigens herangeschafft werden musste. Leider passte das Mikrofon nicht. Viele einprägsame Minuten lang beobachtete die Belegschaft des Ökopioniers, wie die Reisegesellschaft sich abmühte, das hessnatur-Mikrofon mit dem Capvis-Ständer zu verbinden. Schließlich musste mit Plastik-Klebeband verklebt werden, was nicht passen wollte.
Man sollte meinen, dass die ‘führende Beteiligungsgesellschaft der Schweiz’ über Erfahrung im Umgang mit symbolträchtigen Bildern verfügt. Dieses Bild saß jedenfalls. Und irgendwie konnte man Mitleid mit den ‘Partnern’ haben, die sich hübsch herausgeputzt hatten und nun tatsächlich die Mitarbeiter darum baten, sie nicht als Heuschrecken, sondern als ‘Bienchen’ anzusehen. Man werde niemanden entlassen, obschon man das nicht schriftlich geben könne. Und man denke sogar über eine Beteiligung der Mitarbeiter am Gewinn nach. Auf Nachfrage erfuhren die Mitarbeiter allerdings, dass mit ‘Mitarbeiter’ der Geschäftsführer gemeint war – wenn auch angedeutet wurde, dass die hnGeno vielleicht ebenfalls ein Stück vom Kuchen haben könne. Von den Kunden sei außerdem kein Widerstand zu erwarten.
Zur selben Zeit geht in der Hamburger hessnatur-Filiale das Kassengeld aus, weil empörte Kunden eben gekaufte Ware zurückbringen und ihr Geld zurückfordern. Immer mehr verantwortungsbewusste Menschen tragen sich auf wir-sind-die-kosumenten.de ein und schreiben Sätze wie: ‘Ich bin seit fast 25 Jahren Kunde bei hessnatur, mittlerweile sind es vier Personen, für die ich hier bestelle. Sollte die Übernahme durch Capvis stattfinden, werde ich in keinem Fall mehr bei hessnatur kaufen.’ Und für die kommenden Wochen erwartet das Institut für soziale Dreigliederung sogar noch deutlichere Formen des Protests von Seiten vieler wacher hessnatur-Kunden.
Schließlich präsentierte Capvis der hessnatur-Belegschaft einen ‘Zeugen’ für die eigene Nachhaltigkeit und Wertetreue: Hans Knürr, ehemaliger Geschäftsführer der Knürr AG. Dieser Zeuge schwärmte dann von der vorbildlichen Behandlung, die sein Unternehmen von Capvis erfahren habe, dass man die Rendite erhöhen müsse, und dass China der Markt der Zukunft sei. Werden die Chinesen etwa in Zukunft Fair-Trade-Kleidung aus dem hessischen Butzbach kaufen? “Es war einfach für jeden offensichtlich, dass die nicht die geringste Ahnung von der Materie haben”, so ein teilnehmender Mitarbeiter. Ach ja: Hans Knürr half Capvis im Jahr 2002, die Knürr AG mitsamt Belegschaft an den britischen Finanzinvestor 3i zu verschachern. Dafür erhielt Knürr selbst einen neuen Posten – als ‘Advisor’ bei Capvis!
Irgendwie, so ließ es Capvis durchblicken, sei man ja selber auch ein bisschen Opfer. Man habe vom Verkäufer nicht alle für den Kauf von hessnatur relevanten Informationen bekommen. Letzteres ist allerdings sehr wahrscheinlich, denn anders ist kaum zu erklären, warum Capvis ausgerechnet die Übernahme eines Unternehmens versucht, an dem der größere Bruder Carlyle zuvor scheiterte. Dass Marc Sommer, ehemaliger Chef des Verkäufers Primondo, als Berater für den Käufer Capvis fungierte, wird vielleicht der Schlüssel zum Verständnis der grotesken Szenerie sein.“
Die Gegner der Übernahme durch Capvis fordern Kunden von Hess natur zu Boykott und Widerstand auf und weisen auf die hnGeno und die Internetseite www.wir-sind-die-konsumenten.de hin.
Manfred Loosen
Schlagworte: Hess Natur


Liebes Schrot&Korn-Team,
dieser Artikel hilft mir als Verbraucher leider überhaupt nicht weiter. Beide Berichterstattungen erscheinen hier tendenziös. Wichtiger zu wissen wäre für mich, wer steckt hinter Capvis? Ich kann das jetzt sicher googlen (oder “ecosiieren”), aber vielleicht gibt es zu dem Thema noch Fakten. Möglicherweise haben Sie ja an früherer Stelle schon in dieser Angelegenheit berichtet. Es ist leicht möglich, daß ich da mal was übersehen habe.
In jedem Fall, auch an dieser Stelle herzlichen Dank für diesen Artikel, der mir zumindest die Möglichkeit eröffnet mich weiter zu informieren.
Mit freundlichen Grüßen
Astrid Kropp-Menéndez
Ich bin Kundin der allerersten Stunde und fühle mich der Familie Hess und den Hess-Mitarbeitern verbunden, die anno 97 komplett bei einer meiner “Tischlein-deck-dich”- Veranstaltungen in Kloster Eberbach anwesend waren.
Daher lehne ich die Übernahme ab und werde nicht mehr bei Hess- natur kaufen.
S Wach