„Boden hat Gedächtnis“ ist ein geflügeltes Wort bei Bodenkundlern. Dass diese Erkenntnis auch für den Umgang mit Dioxin und PCB in der deutschen Industriegeschichte gilt, ist heute bittere Erkenntnis von landwirtschaftlichen Betrieben: Der Boden enthält teilweise hohe Dioxin- und PCB-Belastungen, so wie jetzt bei einem Geflügelbetrieb im Kreis Borken (Nordrhein-Westfalen) festgestellt wurde. Der war durch den Vertrieb von dioxinähnlichen polychlorierten Biphenylen (dl-PCB) in konventionell erzeugten Freilandeiern aufgefallen.
Fazit des Landesamtes für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (LANUV), das eine flächendeckende Kartierung in Auftrag gegeben hatte: Der kontaminierte Boden könne in seinem jetzigen Zustand nicht mehr für den Freilauf der Hühner genutzt werden. Ein ähnliches Problem droht einem Betrieb in Ostwestfalen, in dem auch Bio-Eier produziert werden. Dort wurde nach Feststellung einzelner Bodenbelastungen und PCB-Funden in Bio-Eiern ebenfalls eine flächendeckende Kartierung beauftragt.
Zum Betrieb im Kreis Borken schreibt das LANUV: „Die nunmehr vorliegenden Laborwerte belegen, dass die Bodenproben teilweise erhöhte Polychlorierte Dibenzo-p-dioxine und Dibenzofurane PCDD/PCDF-, insbesondere aber stark erhöhte PCB-Gehalte aufweisen.“ Mit hoher Wahrscheinlichkeit sei damit auch die Ursache der zu hohen Schadstoff-Gehalte in den Eiern geklärt. Nicht geklärt sei bis jetzt, wie die Schadstoffe dort in den Boden gekommen sind. Diese Klärung stehe jetzt an. Der Geflügelbetrieb sei bis auf Weiteres gesperrt.
Insbesondere in zwei Auslaufbereichen (sog. Kaltscharrräume) wurden laut LANUV PCB-Gehalte nachgewiesen, die das übliche Niveau in landwirtschaftlich genutzten Böden Nordrhein-Westfalens um ein Vielfaches überschreiten. Mit der räumlichen Verteilung dieser PCB-Belastung gingen auch sehr hohe Gehalte an dl-PCB einher. „Damit bestehen konkrete Anhaltspunkte auf Vorliegen einer schädlichen Bodenveränderung, die weitere Untersuchungen und Prüfungen zur Folge haben.“
Ursache für Belastung im Kreis Oldenburg gefunden
In Niedersachsen wurde die Ursache für die Höchstwertüberschreitung mit nicht dioxinähnlichen PCB (ndl-PCB) in Eiern eines Betriebs aus dem Landkreis Oldenburg zwischenzeitlich ermittelt: Im Auslaufbereich, insbesondere in einem Asphalt-Material, seien hohe Gehalte an ndl-PCB und Dioxinen nachgewiesen worden, die weit über der bekannten Hintergrundbelastung in landwirtschaftlich genutzten Böden in Deutschland lägen, teilte das niedersächsische Landwirtschaftsministerium mit: „Dieses Asphalt-Material dient der Bodenbefestigung im Bereich des Auslauf-Zauns. Das Material konnte von den Legehennen aufgenommen werden.“ Nach den vorliegenden Untersuchungsergebnissen sei davon auszugehen, dass dies die Ursache für den Eintrag der ndl-PCB in die Lebensmittelkette war.
Der Betrieb im Landkreis Oldenburg habe beschlossen, den Auslauf zu sanieren und danach neue Legehennen aufzustallen. Anschließend könne die Eier-Produktion wieder aufgenommen werden, wobei eine engmaschige amtliche Kontrolle des Betriebs zunächst fortgesetzt werde, teilte das Ministerium weiter mit. Anfang Mai war die Höchstwertüberschreitung in den Eiern dieses Betriebs bekannt geworden. Festgestellt wurden 80 Nanogramm ndl-PCB pro Gramm Eifett; zulässig sind lediglich 40 Nanogramm. Die Eier-Produktion ist seitdem gesperrt. Die Eier waren bis Ende April über die Packstelle in verschiedene Bundesländer und in die Niederlande geliefert worden. (hf)
Manfred Loosen


Wenn im Asphalt zur Bodenbefestigung im Zaunbereich enes Hühnerauslaufes erhebliche Dioxin- und PCB-Belastungen nachgewiesen worden sind, muß man davon ausgehen, dass auch der von Straßenanwohnern und Autofahrern eingeatmete Feinabrieb auf deutschlands Straßen ebenso belastet ist. Das wäre schnellstens zu untersuchen, damit unser Verkehrsminister Qualitätskriterien für die Zusammensetzung des Straßenbelages auch nach gesundheitlichen Grundsätzen festlegen kann. Oder ist das schon gechehen?
Ingo F. Rittmeyer