Eine Langzeit-Studie zum Anbau von Gentechnik-Baumwolle in Indien der Universität Göttingen hat heftige Kritik seitens Kishor Tiwari, Präsident der landwirtschaftlichen Interessenvereinigung Vidarbha Jan Andolan Samiti (VJAS) geerntet. Die Untersuchung – mittlerweile oft „die deutsche Studie” genannt – kommt zu dem Ergebnis, dass der Anbau von Gentechnik-Baumwolle zu einem Mehrertrag von 24 Prozent durch die Einsparung von Insektiziden führe. Dies entspreche einem Gewinnzuwachs von 50 Prozent. Tiwari hält die Studie jedoch für realitätsfern. Es ist seiner Meinung nach “unfair”, aus der Studie den Schluss zu ziehen, Gentechnik-Baumwolle erhöhe die Erträge und den Lebensstandard der Kleinbauern.
Tiwari hält eine Studie mit 533 landwirtschaftlichen Haushalten für nicht repräsentativ, da in Indien auf einer Fläche von 12 Millionen Hektar etwa 10 Millionen Bauern gentechnisch veränderte Baumwolle anbauen. Mehrere indische Berichte deuten auf einen klaren Zusammenhang zwischen dem Selbstmord von Landwirten und dem Anbau von Gentechnik-Baumwolle in dem Land hin. Bauernpräsident Tiwari hatte daher die Verfasser der Studie, Jonas Kathage und Prof. Dr. Matin Qaim, zu einem Besuch in der Region Vidarbha eingeladen, in der mehr als 9.000 Baumwoll-Bauern Selbstmord begangen haben und 100 Prozent der Gentechnik-Landwirte in Not leben. Denn Gentechnik-Saatgut kann bis zu 50% teurer sein, ohne den versprochenen Mehrertrag und -gewinn.
Auch der Bericht zu Gentechnik-Baumwolle des internationalen Forschungsinstituts Central Institute of Cotton Research (CICR) kommt zum Fazit, dass Gentechnik-Saatgut mehr kostet und letztlich mehr Pestizide und Dünger benötigt als nicht gentechnisch Verändertes. Das Forschungsinstitut und die Regierung von Maharashtra haben daher ein Pilot-Projekt mit dem Titel „Brazilian Model of Non-Bt. Cotton Promotion“ initiiert, bei dem in acht Distrikten der Region Vidarbha nicht gentechnisch veränderte Baumwoll-Sorten anstatt Hybriden oder Gentechnik-Samen angepflanzt werden. Tiwari deutet dies als klares Zeichen, dass Gentechnik-Baumwolle keine Option ist.
Manfred Loosen
Schlagworte: Gen-Baumwolle, Gentechnik


Zu den Bt-bedingten Selbstmorden empfehle ich diese Analyse.
http://www.ifpri.org/publication/bt-cotton-and-farmer-suicides-india
Und natürlich die Lektüre des Orginalartikels von Herrn Prof Qaim:
http://www.pnas.org/content/early/2012/06/25/1203647109.full.pdf+html
Hat es eigentlich einen Grund, warum solche direkten links fehlen, solche zu Agit-Prop-Seiten aber nicht?
Sinnvoll ist vielleicht auch ein Blick in die Presse:
http://www.sueddeutsche.de/wissen/gentech-baumwolle-mehr-ernte-hoeherer-gewinn-1.1400156
http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/indien-gentechnik-steigert-baumwoll-ertrag-a-842163.html
oder die Pressemitteilung der Uni Göttingen
http://www.uni-goettingen.de/de/3240.html?cid=4225
http://www.focus.de/wissen/technik/gentechnik/tid-7736/gruene-gentechnik_aid_136427.html
…hier deutet C. Then an, Schafe könnten durch den genuss von Bt-Baumwolle umgekommen sein. Wie die toten Kühe des Bauern Glöckner. Ist es nicht komisch, dass das nicht dort passiert wo es gute Anwälte und 90% Bt-Mais oder Bt-Baumwolle gibt….in den USA z.B.?
Verwunderlich ist auch, dass die ökologisch bewirtschaftete Ackerfläche weltweit gerade mal knapp 1% ausmacht, während die wenigen GVO-Arten auf über 11% angebaut werden – und die Fläche steigt seit 1996 stärker als die der “Ökoackerfläche”. Ich kann mir das nicht erklären, wenn 100% der Genbauern in Not ist, mehr Dünger und mehr Pestizide benötigt werden, deren Preise ja stark angezogen haben. Es sei denn, die Bauern werden gezwungen….in den USA, in Kanada, in Argentinien, in Brasilien, in China, in Indien, in Südafrika…schlecht, unökologisch und unökonomisch zu wirtschaften.
Und m.W. dürfen die Bauern vertraglich nur das GV-Saatgut nicht nachbauen. Wenn das aber sowieso nicht so toll ist, wo ist dann das Problem? Es gibt doch reichlich andere Sorten. Oder sind die etwa nicht so gut?
Oder sind sie doch gut? Warum sollte dann eine Verbesserung für lau zu haben sein? Warum sollte selbst eine Firma wie Monsanto nicht auch einen Teil des Gewinns einstecken? Die Studien zeigen bisher, dass die Gewinne in den Entwicklungsländern zu 50-80% bei den Kleinbauern hängen bleiben – so schlüssig scheint mir die Argumentation nicht zu sein.
Übrigens, m.W. hat Matin Qaim keine Einladung erhalten. Aber vielleicht kann Manfred Loosen das ja mal klären.
Gruß
A
Hallo,
was mich an der ganzen Diskusion stört ist die Tatsache das der Name “Monsanto” so gut wie nie erwähnt wird.
Die Bauern müssen Ihr Saatgut jedes Jahr neu von der Fa. M kaufen, sie dürfen kein eigen erzeugtes Saatgut verwenden.
Warum wird der Name dieser Heuschrecken der Neuzeit so vehement verschwiegen?
Ich hoffe doch dass die nicht überal ihr Finger drinn haben und ihren Einfluß geltent machen können…
Gruß
Reinhold