Bio-Masse als Energiequelle kann in Deutschland keinen quantitativ wichtigen Beitrag zur Energiewende leisten – meint die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina.
Die Stellungnahme der Leopoldina zur Nutzung von Bio-Energie hat eine kontroverse Diskussion um den Nutzen dieser Energieressource ausgelöst. Weder heute noch zukünftig, so die rund 20 an der Analyse beteiligten Wissenschaftler – darunter zwei Forscher, die bisher als Befürworter galten – könne Bio-Energie die Energiewende hierzulande wesentlich unterstützen.
Im Vergleich zu anderen erneuerbaren Energieressourcen wie Sonne, Licht und Wind verbrauche Bio-Energie, die aus nachwachsenden Rohstoffen gewonnen wird, zu viel Fläche. Außerdem nähmen die für Bio-Energie angebauten Agrarrohstoffe Flächen für den Lebensmittelanbau weg, betonen die Wissenschaftler vor dem Hintergrund von Lebensmittelverknappung und steigender Preise durch Wettbewerb um Land und Wasser. Potenzial ließe sich erschließen, heißt es weiter, wenn man Nahrungsmittel- und Bio-Energieproduktion kombiniere und optimiere. Als weitere negative Folgen der Bio-Energieproduktion nennt die Leopoldina die im Vergleich zu Sonnen-, Wind- und Lichtenergie höheren Umweltschäden, zum Beispiel Treibhausgasemissionen. Aus diesen Gründen empfehle man, der Steigerung der Energieeffizienz und dem Energiesparen Vorrang einzuräumen und zugleich den weiteren Ausbau der Produktion von Biokraftstoffen aufzugeben.
Während der Bundesverband BioEnergie, der Verband der Deutschen Biokraftstoffindustrie, das Deutsche Biomasseforschungszentrum und der Biogasrat die Studie in Frage stellen, unterstützt der Verband Bioland die Stellungnahme und fordert europaweit das Aus der Biokraftstoff-Produktion. Die Organisation Oxfam weist auf die Verschärfung der globalen Nahrungsmittelkrise durch steigende Preise hin und wendet sich – wie der Verein foodwatch – auch gegen Nahrungsmittelspekulation.
Wer ist Leopoldina?
Leopoldina ist ein unabhängiger, gemeinnütziger Verein unter der Schirmherrschaft des Bundespräsidenten. Ihr gehören mehr als 1.400 Naturwissenschaftler und Mediziner an. Ihre Empfehlungen finden sich in der Analyse „Bioenergie: Möglichkeiten und Grenzen“. Sie sollen Politikern, Verbänden und Unternehmen Hilfestellung bei ihren Entscheidungen für eine klimaverträgliche, versorgungssichere und zukunftsfähige Nutzung der Bio-Energie geben. (Autorin: Helga Boschitz)
- Die Stellungnahme der Leopoldina findet sich hier.
- Pressemitteilung des Anbauverbands Bioland
- Stellungnahmen/Nachrichten von Oxfam finden sich hier und hier.
- Peta-Stellungnahme zum Thema
- Foodwatch hat auf https://foodwatch.de/e10/e53277/ eine Online-Aktion gegen diesen “Bio-Sprit-Irrsinn” gestartet.
Manfred Loosen
Schlagworte: Bio-Energie, Leopoldina

